Irish Dance – was man so wissen muß :o)

Tanzen gehörte schon bei den Kelten zum Lebensgefühl und zur alltäglichen Kultur.

Allerdings ist der irische Tanz, wie er heutzutage charakteristisch ist, Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die typische Haltung - aufrecht und nur die Beine bewegen sich, um den Tanz den gehobenen Kreisen angemessener zu machen- hatte sich bis dahin zwar schon herausgebildet, die heutige Art des Solo Dancing mit den komplizierten und schnellen Schrittfolgen, die auch die Grundlage des irischen Showtanzes sind, sowie die gängigen Gruppen-/Ceilitänze in technisch durchkonstruierter Form gab es so noch nicht.

Vermittelt wurden diese Grundlagen von so genannten „Travelling Dance Master“. Sie waren meist Junggesellen ohne festen Wohnsitz. Wie in historischen Texten beschrieben, bereisten sie, immer in Begleitung eines Dudelsackspielers oder Geigers, in einer bestimmten geografisch begrenzten Region von etwa 30 Kilometern. Sie blieben jeweils nur ein paar Tage oder Wochen in einem Dorf und mieteten bei einem Bauern einen Platz, meist die Küche oder eine Scheune, um dort den Dorfbewohnern, überwiegend Kindern und Jugendlichen, Tanzunterricht zu erteilen.

Unter den Bedingungen einer sich immer weiter vergrößernden kulturellen Freiheit gründeten viele der wandernden Tanzmeister, die schnell sehr beliebt geworden waren, bald eigene ortsansässige Tanzschulen, in denen sie ihre ganz speziellen, und nur dort zu erlernenden, Tänze/Schritte unterrichteten. Besonders in den Countys Kerry, Limerick, Cork und Tipperary entstanden für diese frühe Zeit relativ berühmte Tanzschulen.
Auch Tanzwettbewerbe wurden durchgeführt, denn unter den Tanzmeistern entwickelte sich schnell eine Konkurrenz um den besten Tanzschüler.

Nach Jahrhunderten politischer und militärischer Unterdrückung durch Großbritannien, wurde 1893 die Gaelic League, irisch An Conradh na Gaeilge gegründet um die irische Kultur zu „entanglisieren“.

1929 schuf An Conradh die Irische Tanzkommission, englisch Irish Dancing Commission, irisch An Coimisiún le Rincí Gaelacha - C.L.R.G. -, zuerst als Untersuchungskommission, ab 1931 als ständige Organisation, um die Tanzbewegung noch besser steuern zu können. Vor allem um die nur mündlich vom Lehrer auf den Schüler überlieferten Tänze aufzuzeichnen und zu bewahren.Das blieb natürlich auch auf den Stil des irischen Tanzes nicht ohne Auswirkungen. An Coimisún begann sehr schnell, den irischen Tanz weiter zu reglementieren und zu formalisieren.

Heutzutage ist das Irish Step Dancing weltweit ein Massensport für Kinder und Jugendliche reglementiert von verschiedenen Tanzorganisationen, die meistens das gleiche Ziel haben. Den Irish Dance in seiner jetzigen Form zu erhalten, weiterzugeben, zu „perfektionieren“ und Wettbewerbe zu organisieren, den so genannten Feiseanna, bei denen man über größere Meisterschaften bis zu den Weltmeisterschaften aufsteigen kann, (die 1970 zum ersten Mal abgehalten wurden).

Wie im Standart- und Lateintanz gibt es auch im Irish Dance verschiedene Rhythmen und dadurch unterschiedliche Wettkampfdisziplinen.

  • Der Reel (4/4 Takt) ist meist sehr schnell und mit hohen Sprüngen versehen, in Steppschuhen kennt man ihn aus den „Massennummern“ der großen Shows.
  • Der Light Jig (6/8 Takt) ist wie die Bezeichnung schon sagt leichtfüßig und nur in den soften Schuhen.
  • Den gleiche Rhythmus, nur langsamer gespielt. gibt es auch für die Steppschuhe, dann Treble oder Heavy Jig genannt
  • Der Single oder Hop Jig (12/8 Takt) ist sehr sprungbetont, wie die Bezeichnung schon belegt. Ihn gibt es nur für die weichen Schuhe.
  • Der Slip Jig (9/8 Takt) ist der wohl ungewöhnlichste Rhythmus und der gemeinhin femininste Tanz des Irish Dance. Nur in den weichen Schuhen (mit einer Ausnahme, dem Set Dance „Is the big man within“) und ab dem 3. Leistungsgrad nur noch von Frauen/Mädchen getanzt.
  • Der Hormpipe (4/4 Takt oder 2/4 Takt) gilt als der irische Rhythmus schlecht hin. Er wird außer dem „Stack of Barley“ nur in Steppschuhen getanzt.
  • Die Setdances genannten reinen Solotänze gibt es in den Rhythmen 4/4 Takt bzw. 2/4 Takt und 6/8 Takt, mit Ausnahme des bereits erwähnten „Is the big man within“ der mit einem 9/8 Takt anfängt.

Die Wettkampfdisziplienen wiederum gliedern sich noch in Altersstufen damit der kleine 5-jährige nicht gegen die große 14-jährige antreten muss.

Zumindest bei den irisch/englischen Wettkämpfen der An Coimissiun gibt es 4 Leistungsgrade. Den Beginners, Primary, Intermediate und Open Level.

  • Im Beginners / Primary Level kann man u.U. mit den ersten drei Platzierungen aufsteigen. Danach nur noch über den ersten Platz.
  • Bei den Oireachtas oder Qualifiers, nominieren sich jeweils die besten fünf oder zehn einer Altersgruppe aus einer Region für die jährlich statt findenden Weltmeisterschaften.

Auch gelten strenge Kleidervorschriften für die Tänzer/Innen.

  • Bis zum Primary Level dürfen nur einfache Kleider (meistens die schulinternen Kleider) oder Rock und Blusen getragen werden. Ab dem Intermediate Level sind Solo Kleider (sehr elaborierte Kleider) erlaubt.
  • Für Jungs und Männer ist die Tanzmode etwas eingeschränkter mit Hemd, Weste und Tuchhose. Wer sich traut kann aber auch den „traditionellen“ Kilt mit passender Jacke tragen.
  • Allen Alters- und Geschlechtsgruppen ist aber das Schuhwerk gleich: es dürfen nur Soft- und Hardshoes, auch Jigshoes genannt, getragen werden.

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